Ayer me dieron la posibilidad de dirigirme al Senado de la Universidad de Kassel, debido a que quieren cambiar una cláusula civil que está en la «constitución» de la Universidad desde el 2013. A mi entender, la propuesta abre la puerta para adelantar investigaciones con y para la industria de la guerra, y por eso escribí estas palabras.
Sobre el tema del militarismo en Kassel ya había escrito este otro post.
Escribí el texto en alemán, y una compañera del lugar donde vivo me ayudó con la corrección de estilo. Por eso lo dejo aquí en alemán.
Rede vor dem Senat der Universität Kassel 01.07.2026
Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren,
Ich will mich bei Ihnen bedanken für die Möglichkeit, um diese Rede hier im Senat zu halten.
Ich bin Carlos Mario Cano Restrepo und arbeite seit vier Jahren und sechs Monaten an der Universität Kassel. Erst als studentische Hilfskraft, danach als Finanz Kontroller und heute als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ich wollte hier gerne arbeiten und deswegen habe ich mich 10-mal für verschiedenen Hi-Wi Stellen beworben, bis es geklappt hat.
Ich komme aus Kolumbien, in Lateinamerika. Ein Land, das sich seit 60 Jahren im Krieg befindet. Ich komme aus Medellin, und ich bin groß geworden in mitten des Krieges zwischen den Drogenkartellen, den Guerillas und der Regierung. Ein Krieg mit verschiedenen Phasen von der 90er bis die 2000s.
Ich bitte den Senat darum, an die internationalen Studierenden und Mitarbeitenden aus Kriegsgebieten zu denken, die an der Universität Kassel täglich studieren und arbeiten.
Und ich muss akzeptieren, dass ich noch nicht zu meiner Mama in Kolumbien erzählen kann, warum dieser Senat das Wort „Zivil“ von unserer Grundordnung abschaffen will. In zwei Veranstaltungen über das Thema habe ich einen Senator und eine Senatorin gehört, dass das Wort „Zivil“ unpräzise, und ungenau ist. Ich sehe das anders, eigentlich im Gegenteil, genau weil das Wort „Zivil“ präzise und klar ist. Mich besorgt, dass manche von diesem Senat dieses Wort streichen wollen.
Zivilist:innen sind diejenigen, die die Konsequenzen von den Kriegen erleben. Zivilist:innen waren die meisten von den bis zum 10.000 Leute, die hier in Kassel ums Leben gekommen sind am 22. Oktober 1943 in der Bombennacht während des Zweiten Weltkriegs. Die meisten getöteten Zivilist:innen waren diejenigen, die zur Zwangsarbeit bei Henschel gezwungen worden.
Zivilist:innen sind immer noch in meiner Heimat gegen den Krieg im Widerstand. Zivilist:innen haben auch hier gegen den Nationalsozialismus gekämpft. „Zivil“ ist keine graue Zone, und deshalb muss diese Universität die Zivilist:innen in Deutschland und in der Welt unterstützen.
In diesem Monat habe ich Senatoren und Senatorinnen sagen gehört, dass dies eine „sachliche“ Diskussion ist. Sie sind von Ihren eigenen Argumenten überzeugt, und deshalb stimmt die Mehrheit von diesem Senat für die Änderung der Zivilklausel. Ein „sachliches“ Element will ich noch ergänzen: die Rüstungsindustrie wird am meistens davon profitieren mit dem Export von Waffen in andere Länder und Kriegsgebiete. Das ist heute schon so und wird in Zukunft zu noch größeren Profiten führen. Am schlimmsten ist, dass niemanden von Ihnen mir versprechen kann, dass diese Exporte nur an Regierungen gelangen, die das Völkerrecht respektieren. Das macht mir große Sorgen.
Und zum Schluss, ich verstehe, wenn manche von Ihnen Angst haben. Ich bin groß geworden mit Angst und mehrmals habe ich nicht gesagt, was ich dachte, und was ich sah, weil ich nicht wusste, was zu mir oder zu meiner Familie passieren könnte. Der Krieg fing in dem Kopf an, und gegen diese Angst versuche ich die Solidarität und den Zusammenhalt täglich zu praktizieren. Sie sind hier nicht allein. Wir sind hier nicht allein.
Ich wünsche mir für uns Alle, dass die Uni Kassel ihren ethischen Kompass behält, und dass diese Zivilklausel, Zivil bleibt. Die Zivilklausel ist ein Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt, für mich, für alle Menschen an der Universität Kassel und darüber hinaus.
Danke sehr für Ihre Aufmerksamkeit.
Luego de una discusión muy extensa ayer, el Senado de la Universidad de Kassel decidió postponer la decisión del cambio de la cláusula civil para noviembre del 2026. Aquí la noticia (en alemán) en el diario local https://www.hna.de/kassel/senat-vertagt-entscheidung-ueber-zivilklausel-nach-dreieinhalb-stunden-94378436.html
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