Der Sonnenuntergang in Kassel

Ich sitze mit der Sonne vor mir. Am Anfang und am Ende unseres Planeten war und wird die Sonne stehen oder sterben.

Der Sonnenuntergang in Kassel, 2023.

Über Nachhaltigkeit zu schreiben ist nicht so einfach und auf Deutsch zu schreiben ist komplex. Ich versuche, mich zu nähern, mich im Ausdruck zu beschränken, indem ich mich dem Dialog nähere. Anstatt in die Tiefe zu gehen, beschränke ich mich darauf, das Gespräch mit meinen begrenzten deutschen Worten zu erreichen: Das Ziel ist es, Verständnis aufzubauen. Dennoch sind alle Schritte, die zum Schreiben führen, neu für mich, und ich frage mich, ob es einen Weg gibt, zu schreiben, oder ob es ausreicht, einfach nur zu schreiben. Ich versuche jedoch, offen zu bleiben, nicht zu schneiden oder zu urteilen, nicht über das Wort „Nachhaltigkeit“ zu urteilen, ohne ihm eine Chance zu geben, ohne ihm zu erlauben, sich zu präsentieren und sich auszudrücken, durch die Münder derer, die hier sind, in meinem eigenen Verständnis davon. Ich kann es immer noch nicht erreichen, ich suche es zu hören. Ich fürchte sehr, dass sie weiterhin als leeres Wort konstruiert wird, nützlich für andere Interessen, nicht für das, was ich für wertvoller halte, nämlich dass Nachhaltigkeit dazu beiträgt, meiner täglichen Praxis, meiner Existenz einen Sinn zu geben. Und dass ihre Bedeutung im täglichen Leben einen Wert erhält, so dass ich, wenn es an der Zeit ist zu sterben, mit der Gewissheit gehen kann, dass ich diese Welt nicht als Müllhalde hinterlassen habe, dass ich nicht mehr genommen habe, als ich brauchte, dass ich dem Leben und der Erde zurückgegeben habe, was sie mir gegeben hat. Dass ich ihr, wenn es möglich wäre, noch mehr geben würde, weil die Erde mir alles gegeben hat, um existieren zu können, alles ohne Vorbehalt. Deshalb finde ich es schön, dass auch mein Körper zur Erde zurückkehrt, aus der er geboren wurde, und die Zyklen nährt, die nach mir kommen werden.


Es geht nicht darum, ob die „Nachhaltigkeit“ im Hier oder im Dort angesiedelt ist: Die „Nachhaltigkeit“ gehorcht weder einem Maßstab noch einer einzigen Dimension. Sie gehorcht einer Zeit: dem Jetzt. Und einem Raum: dem Hier. Man kann sie anlügen, aber sie lässt keine Ausreden zu. Man kann viele Bedeutungen hinter dem Wort verstecken, aber die Bedeutung, die für mich gilt, wird mit brutalen Konsequenzen zurückkehren, sie wird keine Ausreden akzeptieren, sie wird nicht auf Schreie nach Gnade hören. Denken wir nur an die Überflutungen in Deutschland im Jahr 2023, an den Sturm, der Kassel heimsuchte und Hunderte von Autos im Jahr 2023 zerstörte. Ich komme hierher, weil ich mich in gewisser Weise um Kassel kümmere, ich habe Jahre meines Lebens hier gelebt und ich wünsche der Stadt alles Gute. Es tut mir weh, der Bach vor meinem Haus (die Ahne) so voll mit Müll zu sehen, es tut mir weh, dass einige Rentner denken, dass wir Ausländer diejenigen sind, die die „Nachhaltigkeit“ von Kassel zerstören. Vielleicht ist das bei einigen Ausländern so. Ich versuche jeden Tag, das Gegenteil zu tun, und ich kenne viele, die das Gleiche versuchen.


Wenn Kassel nachhaltig gestalten will, muss es sich selbst in die Augen schauen. Nachhaltig ist es nicht auf der Basis des Wünschens, sondern auf der Basis dessen, was es ist. Und dabei muss sich Kassel als migrantisch, rot, aber zugleich konservativ, zuweilen zutiefst feindselig gegenüber denen, die von anderswo kommen, akzeptieren. Wenn Kassel einen Platz im Nachhaltigen sucht, muss es auch Queer sein, durchzogen von allen Lebens- und Liebesformen.


Was kann so viele Unterschiede vereinen? Wie können wir eine gemeinsame Zukunft aufbauen, wenn uns scheinbar mehr trennt als uns verbindet? Wie können wir dafür sorgen, dass Kassel kein Niemandsland ist, sondern dass nicht einige wenige meinen, das Recht zu haben, Lebens-, Denk- und Handlungsweisen zu diktieren, die nicht dem entsprechen, was gelebt, gedacht und getan wird?
Meine 80-jährige Nachbarin, mit der ich über dieses Thema der Schreibwerkstatt sprach, sagte, ihr einziger Vorschlag sei, dass Gemeinschaften nicht in Ghettos leben sollten, sondern dass sich Nationalitäten und Lebensweisen vermischen sollten. Es gibt eine gemeinsame Basis, wir teilen den Raum der Stadt, mit ihren Strömungen und Schwankungen. Und wenn wir von Menschen sprechen, so eint uns der Wunsch, nicht zu leiden, der Wunsch nach einem erfüllten Leben. Man leidet, wenn die Welt, die mich ernährt, nicht im Balance ist, wenn die Welt, die mir das Leben gegeben hat, sich nicht mehr selbst erhalten kann. Man leidet, wenn man nicht genug zu essen hat, wenn man kein Dach über dem Kopf hat. Man sagt mir, dass in Deutschland niemand hungern muss, dass jeder ein Dach über dem Kopf hat. Ich lasse das lieber offen, denn man ist nicht nur hungrig nach Essen, und ein Dach über dem Kopf zu haben, bedeutet nicht immer, ein Zuhause zu haben.

Uns eint der Raum, die gleiche Zeit und der Wunsch, nicht zu leiden. Das ist der Weg, den wir gehen können, um ein Verständnis für die „Nachhaltigkeit“ zu finden.

Schreibwerkstatt zur Nachhaltigkeit, Kassel, 17. und 21. Februar 2025.
Ein Teil von dem Text auf Spanisch geschrieben, mit Deepl Kostenlose Version übersetzt. Von mir angepasst.

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